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demokratiefrust

18. Juni 2008

Die Wissenschaft hat in einer neuen Studie – „Ein Blick in die Mitte. Zur Entstehung rechtsextremer und demokratischer Einstellungen“ – festgestellt, dass rechtsextreme Tendenzen bis in die Mitte der Gesellschaft verbreitet sind. Interessant ist dabei auch die Tatsache, das den Deutschen Demokratie kaum etwas wert ist. Nicht dass man etwas anderes erwartet hätte – jedoch entzieht diese Feststellung der Argumentation, Schwarz-Rot-Gold würde für die Fahnenschwenker für eine „freiheitlich Demokratische Grundordnung“ stehen, den Boden.

Als zentrale Ergebnisse ihrer Interviews nennen die Leipziger Forscher:

* Mit „besorgniserregender Selbstverständlichkeit“ lassen Gesprächsteilnehmer ausländerfeindlichen Ressentiments freien Lauf. Die Abneigung gegen alles, was vermeintlich fremd ist, wird in den Diskussionen schnell zum Gruppenkonsens.
* Viele Menschen empfinden einen hohen Druck, sich einer gefühlten gesellschaftlichen Norm anzupassen. Sanktionen gegenüber vermeintlichen Abweichlern werden akzeptiert. Die Folge: Die Ausgrenzung von Ausländern, aber auch sozial Schwächeren wie etwa Arbeitslosen wird gesellschaftsfähig.
* Mit dem Begriff „Demokratie“ können viele nichts anfangen. Die meisten beschränken ihr Demokratieverständnis auf Wahlen – die wiederum finden viele erschreckend unbedeutend. Konsequenz: eine „alarmierende Geringschätzung des demokratischen Systems“. Demokratie gilt nur so lange etwas wert, wie sie individuellen Wohlstand garantiert.
* Wer autoritär denkt oder solches Denken etwa durch Gewaltanwendung im Elternhaus vermittelt bekommt, ist anfällig für rechtsextreme Einstellungen. Andersherum gilt aber auch: Wer sich in andere Menschen hineinfühlen kann, ist für radikale Denkmuster weniger empfänglich.
* Noch immer spielt die Zeit des Nationalsozialismus eine große Rolle. Der Beschäftigung mit dieser Vergangenheit messen die Autoren eine „Schlüsselposition“ zu. Eine inhaltliche und emotionale Auseinandersetzung hemmt rechtsextreme Tendenzen.

Demokratiefrust bereitet Nährboden für Neonazis (Spiegel Online)

1 Kommentar

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  1. […] Wieder muss die Demokratie herhalten. Der patriotische Jungabgeordnete als Kämpfer für die Demokratie – zur kürzlich erschienen Studie der Friedich-Ebert-Stiftung hat man von ihm nichts vernommen. Stattdesses wirft er denjenigen Demokratiefeindlichkeit vor, die sich, wie immer weniger, politisch engagieren. Abgrenzung von einem deutschen Nationalismus den man für gefährlich hält ist verboten. Eine Debatte die man in der Öffentlichkeit verliert. Diese Ausgrenzung ist wahrlich eine “deutsche Tugend”. […]


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