h1

nazis im fußballfieber

21. Juni 2008

Reichskriegsflagge in Pforzheim, rechtsextreme Parolen in Bautzen und ein wütender Volksmob in Frankfurt Oder. Hier eine Zusammenfassung von rechtsextremen Vorfällen im Zusammenhang mit der unverklemmten deutschen Jubelfeier über den Sieg im Spiel gegen Portugal.

PFORZHEIM. Rechtsextremisten haben versucht, die nationale Euphorie nach dem EM-Viertelfinal-Sieg Deutschlands gegen Portugal zu missbrauchen. Zwei Rädelsführer wurden vorübergehend festgenommen.

An der Spitze der Bewegung fuhr ein Traktor. Hinter ihm marschierten rund 2500 Menschen – Deutschland-Fans. Mittendrin ein knappes Dutzend Männer, deren Gesinnung laut Verfassungsschutz deutlich über den gesunden Nationalstolz hinausgeht: Mitglieder der Pforzheimer Rechtsextremisten-Szene, namentlich des „Heidnischen Sturms“ (HSP).

Sie provozierten – wie schon vor zwei Jahren während der WM – zahlreiche Fans durch das Mitführen der Reichskriegsflagge. Die ist zwar in den historischen Versionen vor dem Nazi-Regime nicht generell verboten, könnte aber, unter anderem in Baden-Württemberg, als Ordnungswidrigkeit angezeigt werden. Zwei Rädelsführer wurden vorübergehend festgenommen.

Vor dem ehemaligen Spielwaren-„Gerwig“ am Sedanplatz hätten Rechtsextremisten – gekleidet mit schwarzen T-Shirts und mit Springerstiefeln – zwei Jugendliche blutig geschlagen und die Flüchtenden Richtung Reuchlinhaus verfolgt, berichten zwei Augenzeugen. Das war gegen 23 Uhr – ungefähr zu dem Zeitpunkt, als ein Deutschland-Korso schon in vollem Gang war.

via Rechtsextreme und Scherben trüben den Spaß an den EM-Feiern (Pforzheimer Zeitung)

In Bautzen wurden bei Ausschreitungen neun Menschen festgenommen. Rund 250 Fans hätten sich im Zentrum versammelt, wo es vereinzelt zu Rangeleien gekommen sei, sagte eine Sprecherin der Polizeidirektion Oberlausitz-Niederschlesien in Görlitz am Freitag. Am späten Abend seien dann auch Flaschen geworfen und Silvesterknaller gezündet worden. Rund 75 Menschen beteiligten sich an einem Marsch durch die Innenstadt, bei dem sie rechtsextreme Parolen riefen. Die Beamten sprachen mehrere Platzverweise aus.

via Sachsen feiern EM-Sieg gegen Portugal fast europameisterlich (LVZ)

Frankfurt (Oder)
Polizeieinsatz nach Fußballspiel

Nach dem Fußballspiel Deutschland – Portugal kam es in Frankfurt (Oder) nicht nur zu einem Autokorso, sondern auch zu Flaschen- und Steinwürfen. Ein großer Teil der rund 250 Menschen, die die Übertragung des Fußballspiels auf dem Ziegenwerder verfolgt hatten, zogen anschließend in Richtung Hortenvorplatz. Aus dieser Gruppe kam es durch zum Teil vermummte Personen zu massiven Stein- und Flaschenwürfen auf eingesetzte Polizeibeamte. Dabei wurde auch eine 24-jährige Passantin am Oberkörper verletzt. Durch eine Zeugin wurde bekannt, dass einige der Gewalttäter die Steine, die gegen die Polizei geworfen wurden, im Rucksack mitgebracht hatten. Nach Platzverweis wurde die Karl-Marx-Straße in Richtung McDonalds geräumt. Gegen 00:15 Uhr entspannte sich die Lage. Sechs Personen wurden nach der Begehung von Straftaten vorläufig festgenommen, unter anderem wegen der Stein- und Flaschenwürfe, aber auch wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Sachbeschädigung. Fünf Personen wurden wegen Nichtbefolgens von Platzverweisen vorübergehend in Gewahrsam genommen. Es wurden drei Polizisten, davon zwei durch Steinwürfe, leicht verletzt. Ein Polizeieinsatzfahrzeug wurde durch Stein- und Flaschenwürfe stark beschädigt.

via Polizeieinsatz nach Fußballspiel (Märkische Allgemeine)

2 Kommentare

Der URI für den TrackBack dieses Eintrags ist: http://deutschmichnichtvoll.blogsport.de/2008/06/21/nazis-im-fussballfieber/trackback/

  1. Habt ihr Frust meine roten Häschen? Naja ihr könnt euch ja zur Beruhigung wieder Deutschland Fahnen in den Anus einführen, wie auf euren „hübschen“ Bildern! xD


  2. […] Wie zu erwarten kam es zur Europameisterschaft wieder zur Verschmelzung von Profisport, Vaterland und Volksgemeinschaft. Der motorisierte Individualverkehr in ehemaligen NSDAP-Hochburgen wie Steglitz und Charlottenburg geriet zum Fahnenmeer. Besonders unangenehm fiel auf, daß vor allem betriebliche Gefährte das Bekenntnis zur nationalen Identifikation anbrachten, als würde es der Mittelstand auch aus pekuniären Erwägungen als Notwendigkeit ansehen, die Verbundenheit mit der deutschen Allgemeinheit hervorzuheben. (Erfreulich ist allerdings, daß die patriotische Kostümierung auch als zuverlässiger Deppenindikator funktionierte und man beispielsweise nur flüchtig bekannte Gesichter auf dem Campus schon aus der Ferne als Vollidioten identifizieren und weiträumig umgehen konnte, was angesichts des täglichen Gebrauchs eines Kunststofftrikots wahrscheinlich auch olfaktorisch sinnvoll war) Die Nationalmannschaft wuchs auf ca. 82 Mio. Mitglieder an, sowohl die dümmsten als auch die bestbezahlten Fressen des Landes versuchten sich an der Zwangsintegration des größten Teils der Landsleute in das so unbefangene und freundliche “wir” der deutschen Nation. Wer nicht dazugehören soll, dem wurde das auch deutlich zu verstehen gegeben. Die Friedrich Ebert Stiftung hat fast unbemerkt das Sequel zu ihrer vor zwei Jahren erschienenen Studie “Vom Rand zur Mitte” herausgebracht und ist zu dem Ergebnis gekommen, daß es eben kein weltoffener und fortschrittlicher Party-Partiotismus ist, der zu solchen Veranstaltungen die Massen ergreift, auch wenn das offenbar eine weit verbreitete Annahme ist. Die Zahlen dokumentieren anscheinend vielmehr den knallharten Ruf nach einer geschlossenen Volksgemeinschaft. […]


RSS-Feed für Kommentare zu diesem Eintrag.

Kommentar hinterlassen

Leider ist der Kommentarbereich für dieses Mal geschlossen.


Datenschutzerklärung